Zölibat“ – der Begriff

Am Beginn muss zunächst gek­lärt wer­den, was der Begriff des Zöli­bates genau bein­hal­tet.
Einen ersten Hin­weis kann der Begriff selb­st geben. Nach ver­bre­it­eter Auf­fas­sung stammt der Zöli­bat (lat.: caeli­ba­tus, oder auch coeli­ba­tus) vom lateinis­chen Adjek­tiv „caelebs/coelebs“, was etwa „unver­mählt“, „ehe­los“ oder „allein lebend“ bedeutet.1)Dr. Alois Walde: Lateinis­ches ety­mol­o­gis­ches Wörter­buch. 2. umg. Auflage. Hei­del­berg: Carl Win­ter, 1910. S. 106 https://archive.org/details/Lateinisches-etymologisches-woerterbuch ; auch Friedrich Kluge, bear­beit­et von Elmar See­bold: Ety­mol­o­gis­ches Wörter­buch der deutschen Sprache. 24., durchge­se­hene und erweit­erte Auflage. Wal­ter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978–3‑11–017473‑1, DNB 965096742, Stich­wort: „Zöli­bat“, Seite 1015.
Eine andere ety­mol­o­gis­che Her­leitung gibt unter anderem Jerôme Leje­une – bezugnehmend auf Julius Valerianus3)Im Orig­i­nal­beitrag ist keine genaue Quelle angegeben. Wer diese ken­nt, schreibe mir bitte gerne! –, der auf die Nähe zum Him­mel (lat.: caelum / coelum) ver­weist und „coeli­ba­tus“ mit „coeli bea­t­us“ (des himm­lisch Beglück­ten) in Verbindung bringt.
„Zöli­bat“ hat somit etwas mit Ehelosigkeit und dem Him­mel zu tun.

Die zwei Bedeu­tungsin­halte des Zöli­bates.

Diese bei­den Anhalt­spunk­te kom­men nun bei den zwei ver­schiede­nen Facetten des Zöli­bates zum Tragen:2)Vgl. Johannes Bours: Die Ehelosigkeit um des Reich­es Gottes willen. In: Johannes Bours und Franz Kam­phaus: Lei­den­schaft für Gott. Ehelosigkeit – Armut – Gehor­sam. Freiburg i. Br., Basel und Wien: Herder, 1981. S. 29–30.

  • Auf der einen Seite geht es beim Zöli­bat um die Verge­gen­wär­ti­gung Christi und dessen vol­lkommene, liebende Hingabe an die Kirche, sein­er „Ehe“ mit der Kirche.
  • Auf der anderen Seite ist der Zöli­bat die mys­tis­che Vor­weg­nahme des himm­lis­chen Vol­lkom­men­heit­szu­s­tandes, wo nicht mehr geheiratet wird (vgl. Mt 22,30 / Mk 12,25), wo man unter­schied­s­los vol­lkom­men geliebt wird und man eins mit Gott ist. Es geht also – als escha­tol­o­gis­ches Zeichen – um das Leben der vol­lkomme­nen Erfülltheit von Gott her (auch als Ver­weis auf dieselbe).

Während die zweite Dimen­sion, die Vor­weg­nahme des jen­seit­i­gen Vol­lkom­men­heit­szu­tandes (die völ­lige Erfülltheit von der Liebe Gottes, welche auf Erden nur abbild­haft bspw. in Beziehun­gen ver­wirk­licht wer­den kann), sich vor allem auch in der ehelosen Lebens­form des gewei­ht­en Lebens aus­drückt– also Mönche, Non­nen, gewei­hte Jungfrauen und andere –, wird die Verge­gen­wär­ti­gung Christi und dessen vol­lkommene, liebende Hingabe an die Kirche vor allem in der ehelosen Lebens­form der Priester und Bis­chöfe real­isiert. Dies soll natür­lich nicht auss­chließen, dass der Zöli­bat des Priesters eben auch die escha­tol­o­gis­che Dimen­sion bein­hal­tet!

Fußnoten   [ + ]

1. Dr. Alois Walde: Lateinis­ches ety­mol­o­gis­ches Wörter­buch. 2. umg. Auflage. Hei­del­berg: Carl Win­ter, 1910. S. 106 https://archive.org/details/Lateinisches-etymologisches-woerterbuch ; auch Friedrich Kluge, bear­beit­et von Elmar See­bold: Ety­mol­o­gis­ches Wörter­buch der deutschen Sprache. 24., durchge­se­hene und erweit­erte Auflage. Wal­ter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978–3‑11–017473‑1, DNB 965096742, Stich­wort: „Zöli­bat“, Seite 1015.
2. Vgl. Johannes Bours: Die Ehelosigkeit um des Reich­es Gottes willen. In: Johannes Bours und Franz Kam­phaus: Lei­den­schaft für Gott. Ehelosigkeit – Armut – Gehor­sam. Freiburg i. Br., Basel und Wien: Herder, 1981. S. 29–30.
3. Im Orig­i­nal­beitrag ist keine genaue Quelle angegeben. Wer diese ken­nt, schreibe mir bitte gerne!